


Macro Flash Diffuser für 36 Euro?
Wenn man der Fotografie eines ganz sicher nicht nachsagen kann, dann dass sie ein günstiges Hobby wäre. Jedes noch so kleine Zubehörteil hat seinen Preis – und nicht selten fragt man sich ernsthaft: Muss das wirklich so teuer sein? Richtig spannend wird es, sobald man „Original“-Produkte mit Klonen aus China vergleicht, die teilweise für einen Bruchteil des Preises zu haben sind. Genau so ging es mir kürzlich bei Makro-Diffusoren zweier namhafter Hersteller. Beide liegen inklusive Versand und Zoll deutlich über 100 €, einer kratzt sogar an der 200 €-Marke. Betrachtet man die Teile, fragt man sich unweigerlich, wofür man da eigentlich so viel Geld hinlegt – und versucht es dann mit Argumenten wie „Forschung und Entwicklung“ schönzureden.
Eine Grundsatzdiskussion über Plagiate will ich hier nicht starten, aber ich gebe offen zu: Es ist schon bemerkenswert, dass vergleichbare Produkte aus Fernost für einen Bruchteil des Geldes angeboten werden, während wir hier in Deutschland das Mehrfache bezahlen. Dass die Qualität nicht immer identisch ist, ist mir durchaus klar. Genug Vorrede – kommen wir zum eigentlichen Thema.
In der Makrofotografie gilt: Ohne ordentlich Licht geht gar nichts. Klar, man kann versuchen, mit vorhandenem Umgebungslicht zu arbeiten – und manchmal klappt das auch halbwegs. Aber in der Praxis reicht es selten aus, und zusätzliche Lichtquellen werden unvermeidlich. Viele besitzen bereits einen Aufsteckblitz und probieren damit, das Motiv vernünftig auszuleuchten. Das Resultat überzeugt allerdings selten, weil das Licht zu hart wirkt. Spätestens an diesem Punkt denkt man über Möglichkeiten nach, das Licht weicher zu machen – und hier kommen Makro-Diffusoren ins Spiel. Früher, als es noch nicht für jedes Problem eine käufliche Lösung gab, haben wir uns diese Teile einfach selbst gebastelt – oft mit überraschend guten Ergebnissen. Heute hingegen geben Leute fast 200 € für ein bisschen clever gebogenes Kunststoff aus. Und das ist völlig in Ordnung – jeder setzt seine Prioritäten eben anders.
Wer jedoch mal bei AliExpress stöbert, wird schnell auf Lösungen stoßen, die verblüffend ähnlich aussehen, aber nur etwa ein Viertel kosten. Genau das habe ich getan: 36 € inklusive Versand und Steuern. Zwei Wochen später lag ein unscheinbarer Briefumschlag mit dem flach gefalteten Diffusor in meinem Briefkasten.
Nun würde ich mich selbst als recht versierten Handwerker bezeichnen und trotzdem war ich nicht in der Lage, das Ding ohne Erklärvideo aufzubauen. Entweder überschätze ich mich, oder die Konstruktion ist wirklich nicht gerade intuitiv. Hat man den Dreh einmal raus, geht es aber flott: In rund einer Minute ist alles zusammengesteckt. Die Materialqualität wirkt ordentlich – wie lange die Kunststoffteile mit den Druckknöpfen halten, wird sich zeigen. Entscheidend ist ohnehin die Funktion, und die hat mich ehrlich gesagt überrascht: Das Licht wird sowohl von oben als auch von unten sehr gleichmäßig gestreut, das Motiv wirkt angenehm weich und harmonisch ausgeleuchtet. Den direkten Vergleich zu den „Originalen“ habe ich noch nicht, aber mein bisheriger Eindruck ist durchaus positiv.
Geliefert wird das Set in einer flachen Transporttasche mit Tarnmuster. Die Tasche ist ehrlich gesagt billig verarbeitet, optisch eine absolute Katastrophe und zudem unnötig groß. Aber sei’s drum – sie erfüllt ihren Zweck.
Fazit: Wer nicht bereit ist, 100 € oder mehr für einen Diffusor hinzulegen, sollte definitiv mal einen Blick nach China werfen.
Hier gibt es noch den Link zum Shop auf Aliexpress:
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